Die Geschichte von Seifhennersdorf

Um 1250 wurde die Burg Tollenstein errichtet. Zu diesem Herrschaftsbereich gehörte die Siedlung unser heutigen Stadt.
Der Ort wurde vermutlich von mainfränkischen Bauern als Waldhufendorf gegründet.
Eine Gründungsurkunde liegt jedoch nicht vor.
Wälder mussten gerodet, Häuser gebaut und Felder urbar gemacht werden. Gemeindestrukturen wurden erst gebildet.
In den folgenden Jahren wechselten vielfach die adeligen Grundherren. Für die Bevölkerung eine sehr unruhige Zeit.
1429 kam es durch Kriegskämpfe zu einer massiven Dezimierung der Bevölkerung. Es sollen nur 11 Personen überlebt haben.
Das Dorf, das im 14. Jahrhundert als „Henrych“, „Heinrichstorph“ bzw. „Henricivilla“ bezeichnet wurde, war Teil der Herrschaft Tollenstein.
1584 wurde das Niederdorf („Niederhennersdorf samt den Seifen“) durch den Stadtrat der Stadt Zittau
für 16.000 Taler und 100
ungarische Gulden aufgekauft, während das Oberdorf („Oberhennersdorf“,
heute
Horní Jindřichov) im Besitz der Tollensteiner verblieb.
Das reine Bauerndorf entwickelte sich zu einem Weberdorf.
Schreckliche Verehrungen erfuhr das Land durch den 30 jährigen Krieg.
Söldnerheere fielen auch in unseren Ort ein, mordeten, brandschatzten, raubten Vieh und Getreide.
Zum Kriegsende war die Heimat verwüstet, entvölkert und wirtschaftlich erschöpft.
Ganz allmählich erholten sich die Städte und Dörfer. Die Grenzlage des Ortes brachte es mit sich,
dass im 7 jährigen Krieg bald Österreicher, bald Preußen den Ort belagerten.
Dadurch entstand drückende Not und Armut in der Bevölkerung.
Immer wieder gelang es geschäftstüchtigen Bürgern durch Ausbeutung der Weber zu beträchtlichem Vermögen zu gelangen.
Die repräsentativen Faktorenhäuser zeugen heute noch von dem Ungleichgewicht.
Die gute wirtschaftliche Entwicklung im 18. Jahrhundert führte auch zu einer starken Zunahme der Bevölkerung in Seifhennersdorf.
So bewohnten 1799 bereits 4091 Einwohner den Ort.
Zwischen 1780 und 1800 entstand der heutige Ortsname Seifhennersdorf.
Besonders ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die ortstypischen
Umgebindehäuser gebaut, die heute zum Teil unter Denkmalschutz stehen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte eine stürmische Entwicklung der Industrie ein.
Große mechanische Webereien und zahlreiche Schuhfabriken beherrschen nun das Ortsbild. 
1900 besaß unser Ort 8.000 Einwohner.
Die Industrialisierung setzte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts fort.
Es kamen noch weitere Betriebe der Metallverarbeitung, des Maschinenbaus, der Bekleidungsindustrie und die Klavierfabrik der Gebrüder Zimmermann hinzu.
Hier gab es schon im 19. Jahrhundert zwei Grundschulen .
Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts kamen noch eine Berufs- und Handelsschule sowie eine Textilfachschule hinzu.
1974 erhielt Seifhennersdorf aufgrund seiner Größe und der leistungsfähigen Industrie das Stadtrecht.
Nach der Wende brach die Industrie zusammen.
Nur wenige Firmen fanden einen neuen Investor. Seifhennersdorf entwickelte sich immer mehr zu einem Urlaubsort.

 

Bilder: neue Kirche, Ortsteil Seifen, Fabrik Marx, Dorfstraße, Fleischerei Röthig